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Weg vom Trauma
Blockflöte
Das Ensemble
„les trois en bloc“ gastierte im Riesa efau
Am Samstagabend fand
im Dachsaal des Riesa efau ein weiteres Konzert der Reihe „Les Concerts
Rouge – Le deuxieme siècle“ statt. Diese Reihe widmet sich speziell
der Zeitgenössischen Musik und erhält besonderes Gewicht durch
die Berücksichtigung von Interpreten und Komponisten gerade der jüngeren
Generation – in dem Konzert des Blockflötenensembles „les trois en
bloc“ war vor allem die Konfrontation zwischen Renaissancemusik und den
drei z.T. noch tintenfrischen Stücken der Komponisten Christian FP
Kram, Pèter Köszeghy und Benjamin Schweitzer reizvoll. Ein
mit Terminen prall gefülltes Kulturwochenende in Dresden mag Grund
dafür gewesen sein, daß nur wenige den Weg ins Riesa fanden.
Auch ein Blockflötentrauma aus früher Kindheit stellte keine
Entschuldigung dar – in diesem Konzert wurde man eines besseren belehrt.
Faszinierend im Konzert war die Programmauswahl – die Renaissancewerke
konnten untereinander nicht verschiedener sein - da war von der musikalischen
Glosse des „What strikes the clock“ von Gibbons bis zu redseliger und rhythmisch
atemberaubender (Christopher Tyes „Sit fast“) Consortmusik alles vorhanden.
William Cornyshes „Fa la sol“ wirkte da kryptischer – die Musik fand kaum
ein Ende, da sich die Stimmen immer neu verschlungen. Das Ensemble „les
trois en bloc“ interpretierte die alte Musik stilsicher und mit ebenso
ruhiger Eleganz wie perlender Virtuosität.
Neue Blockflötenmusik
kann schrecklich sein. Angesichts der Masse von kaum zu ertragenden Spielmusiken,
Sonatin(ch)en und Barockkopien aus neuester Zeit war ich gespannt auf die
neuen Werke dieses Konzertes und wurde nicht enttäuscht. Alle Komponisten
nutzten nahezu die komplette Blockflötenfamilie vom Sopranino bis
zur Baßflöte aus und präsentierten erstaunlichen Klangsinn.
In Christian Krams „absolut? Absolut!“ sind klar umrissene Bilder zu finden,
die ein bestimmtes Thema focussieren und schnittartig gegenüberstellen.
Pèter Köszeghys „Nausikaa (nach der „Odyssee“ von Homer) war
das wohl erstaunlichste Stück des Abends – eine wahrhaft „göttische“
Filmmusik, die über dem Boden zu schweben schien und vom Windpfeifen
bis zu ekstatischen Flimmerpassagen alle Facetten enthielt. Zum Abschluß
erklang als Uraufführung Benjamin Schweitzers Stück „Valonkuomus“
– die klare Aussage einer fortwährenden Beruhigung der Musik schob
sich ineinander mit der einer Verdunkelung (des Klanges) und löste
so Konzentration auf die inneren Ebenen dieses nachdenklichen Stückes
aus.
Man war beeindrucktvon
der Souveränität, wie die drei Flötistinnen Barbara Engelmann,
Susanne Riemann und Anja Wetzki diese höchst anspruchsvollen Werke
meisterten – nach bereits vier Konzerten der Reihe wäre für die
Maiausgabe (...) zu wünschen, daß endlich ein großes Publikum
die Gelegenheit zu solch außergewöhnlichen musikalischen Erlebnissen
auch wahrnimmt.
Dredner Neueste
Nachrichten, 18.04.2000
Das Trio „les trois en bloc" mit zwei ersten Preisen beim Penderecki-Wettbewerb in Polen
Beim kürzlich beendeten dritten Internationalen Krzysztof Penderecki-Wettbewerb für zeitgenössische Kammermusik in Krakau wurde das deutsche Blockflötenensemble „les trois en bloc" kürzlich in Krakau mit zwei ersten Preisen ausgezeichnet. Die jungen Musikerinnen erhielten einen ersten Preis in der Kategorie Trio sowie den Sonderpreis für die beste Interpretation einer polnischen Komposition. Barbara Engelmann, Susanne Riemann und Anja Wetzki berichten von ihren Erfahrungen im Wettbewerb. Das Gespräch führte Dorothee Göbel.
nmz: Sie haben
sich 1995 zum Ensemble zusammengeschlossen und setzen sich vor allem mit
zeitgenössischer Musik auseinander. Auf welches Repertoire konnten
Sie zurückgreifen? Haben sich bei Ihrer Arbeit in den vergangenen
Jahren Kontakte zu Komponisten ergeben?
les trois en
bloc: Wir haben uns 1995 an der Leipziger Musikhochschule als damalige
Studentinnen der Blockflötenklasse
Prof. Robert Ehrlich
zum Ensemble zusammengefunden. Zu Beginn war die Spezialisierung des Repertoires
eher zweitrangig. Von größerer Bedeutung war damals die Ausbildung
einer Ensemblekultur und gemeinsamer Vorstellungen. Daraus entwickelte
sich fast zwangsläufig eine Vorliebe für die Interpretation zeitgenössischer
Musik. Auf der Suche nach Repertoire sahen wir zunächst die üblichen
Verlagskataloge durch und stellten relativ schnell fest, dass das bis dato
vorhandene qualitativ überzeugende Repertoire für ein zeitgenössisches
Blockflötentrio nicht sehr umfangreich war. Daher beschlossen wir,
selbst den Kontakt mit Komponisten aufzunehmen. Als Erstes ergab sich hochschulintern
die Zusammenarbeit mit dem
Leipziger Komponisten
Christian FP Kram, der 1997 für „les trois en bloc" das Stück
„absolut? Absolut!" schrieb. Eines unserer Lieblingsstücke ist das
1999 komponierte Trio „Nausikaa" von Pèter Köszeghy. Dieses
Stück ist in seiner komplexen Struktur, seiner differenzierten rhythmischen,
dynamischen sowie klanglichen Gestaltung einmalig in der Blockflötenliteratur
und könnte dieser Literatur den Weg in eine völlig neue Richtung
zeigen.Außerdem versuchten wir von Anfang an, auch Kontakte zu den
Komponisten bereits verlegter Werke aufzunehmen wie beispielsweise zu Daan
Manneke, Stefan Thomas und Witold Szalonek.
nmz: Haben
Sie das preisgekrönte polnische Werk „Haupt der Medusa I" von Witold
Szalonek extra für den Wettbewerb einstudiert oder hatten Sie dieses
Werk schon in Ihrem Repertoire?
les trois en
bloc: Das „Haupt der Medusa I" haben wir 1998 zum ersten Mal in der
Querflötenfassung in Anwesenheit des Komponisten bei einem Konzert
erlebt und waren beeindruckt von der Intensität des Werkes. Daraufhin
beschlossen wir, es in unser Repertoire aufzunehmen. Die Einstudierung
war für das Ensemble sehr interessant,da sie auch in Zusammenarbeit
mit Herrn Szalonek geschah. Als wir dann erfuhren, dass für den Penderecki-Wettbewerb
eine polnische Komposition in der Repertoireliste einzureichen sei, traf
sich das sehr gut.
nmz: Wie
wurden Sie auf den Wettbewerb in Polen aufmerksam?
les trois en
bloc: Die Ausschreibung des Wettbewerbs war in der Leipziger Musikhochschule
ausgehängt. Da wir gezielt nach Wettbewerben für zeitgenössische
Musik Ausschau hielten, forderten wir umgehend die Anmeldeunterlagen an.
Wir reichten eine Demo-Kassette mit den dort zu spielenden Werken ein und
wurden zum Wettbewerb eingeladen.
nmz: Aus
der Liste der Teilnehmer geht hervor, dass vor allem Musiker aus Polen
im Wettbewerb mitwirkten. Wie nahm man es auf, dass gerade Sie, drei Teilnehmerinnen
aus Deutschland, mit dem Sonderpreis für die beste Interpretation
eines polnischen Werks ausgezeichnet wurden?
les trois en
bloc: Der Sonderpreis kam für uns sehr überraschend.Da während
des Wettbewerbs ein sehr freundschaftliches Klima unter den Teilnehmern
herrschte, fielen die Gratulationen von allen Seiten äußerst
herzlich aus.Trotz der naturgemäß starken polnischen Präsenz
reisten auch Interpreten aus den verschiedensten Ländern an, beispielsweise
Spanien, Japan, Frankreich, USA und Kanada. Auch die Jury war international
besetzt mit dem Ehrenvorsitzenden Krzysztof Penderecki,
Marek Stachowski
(beide Polen), Geffrey Douglas Madge(Australien), Ivan Monighetti (Schweiz),
Mary Stolper (USA) und
Marta Ptaszynska
(Polen).
nmz: Laut
Ausschreibung des Wettbewerbs erhalten Preisträger Konzertverpflichtungen
und CD-Aufnahmen. Welche Resonanz versprechen Sie sich davon für Ihr
eigenes Ensemble?
les trois en
bloc: Da der Wettbewerb jährlich stattfindet (das nächste
Mal im September 2000), sind Anschlusskonzerte fest eingeplant. Das Abschlusskonzert
des Wettbewerbs wurde vom polnischen Rundfunk mitgeschnitten und wird als
CD erscheinen. Wir hoffen, dadurch auf internationaler Basis Komponisten
und Konzertveranstalter auf uns aufmerksam machen zu können und unser
Betätigungsfeld zu erweitern.
nmz: Danke
für das Gespräch.
NMZ1999 48.
Jahrgang Ausgabe 11- November
Stefan Amzoll, in:
MDZ/ 17.07.2001