Kontakt: "les trois en bloc"c/o  Susanne Köszeghy,  Uhlandstr.51, 13156 Berlin; fon: 030-29 40 686; mail:koeszeghy@gmx.net

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Weg vom Trauma Blockflöte
Das Ensemble „les trois en bloc“ gastierte im Riesa efau

Am Samstagabend fand im Dachsaal des Riesa efau ein weiteres Konzert der Reihe „Les Concerts Rouge – Le deuxieme siècle“ statt. Diese Reihe widmet sich speziell der Zeitgenössischen Musik und erhält besonderes Gewicht durch die Berücksichtigung von Interpreten und Komponisten gerade der jüngeren Generation – in dem Konzert des Blockflötenensembles „les trois en bloc“ war vor allem die Konfrontation zwischen Renaissancemusik und den drei z.T. noch tintenfrischen Stücken der Komponisten Christian FP Kram, Pèter Köszeghy und Benjamin Schweitzer reizvoll. Ein mit Terminen prall gefülltes Kulturwochenende in Dresden mag Grund dafür gewesen sein, daß nur wenige den Weg ins Riesa fanden. Auch ein Blockflötentrauma aus früher Kindheit stellte keine Entschuldigung dar – in diesem Konzert wurde man eines besseren belehrt. Faszinierend im Konzert war die Programmauswahl – die Renaissancewerke konnten untereinander nicht verschiedener sein -  da war von der musikalischen Glosse des „What strikes the clock“ von Gibbons bis zu redseliger und rhythmisch atemberaubender (Christopher Tyes „Sit fast“) Consortmusik alles vorhanden. William Cornyshes „Fa la sol“ wirkte da kryptischer – die Musik fand kaum ein Ende, da sich die Stimmen immer neu verschlungen. Das Ensemble „les trois en bloc“ interpretierte die alte Musik stilsicher und mit ebenso ruhiger Eleganz wie perlender Virtuosität.
Neue Blockflötenmusik kann schrecklich sein. Angesichts der Masse von kaum zu ertragenden Spielmusiken, Sonatin(ch)en und Barockkopien aus neuester Zeit war ich gespannt auf die neuen Werke dieses Konzertes und wurde nicht enttäuscht. Alle Komponisten nutzten nahezu die komplette Blockflötenfamilie vom Sopranino bis zur Baßflöte aus und präsentierten erstaunlichen Klangsinn. In Christian Krams „absolut? Absolut!“ sind klar umrissene Bilder zu finden, die ein bestimmtes Thema focussieren und schnittartig gegenüberstellen. Pèter Köszeghys „Nausikaa (nach der „Odyssee“ von Homer) war das wohl erstaunlichste Stück des Abends – eine wahrhaft „göttische“ Filmmusik, die über dem Boden zu schweben schien und vom Windpfeifen bis zu ekstatischen Flimmerpassagen alle Facetten enthielt. Zum Abschluß erklang als Uraufführung Benjamin Schweitzers Stück „Valonkuomus“ – die klare Aussage einer fortwährenden Beruhigung der Musik schob sich ineinander mit der einer Verdunkelung (des Klanges) und löste so Konzentration auf die inneren Ebenen dieses nachdenklichen Stückes aus.
Man war beeindrucktvon der Souveränität, wie die drei Flötistinnen Barbara Engelmann, Susanne Riemann und Anja Wetzki diese höchst anspruchsvollen Werke meisterten – nach bereits vier Konzerten der Reihe wäre für die Maiausgabe (...) zu wünschen, daß endlich ein großes Publikum die Gelegenheit zu solch außergewöhnlichen musikalischen Erlebnissen auch wahrnimmt.

Dredner Neueste Nachrichten, 18.04.2000



Preisgekrönte Interpretationen neuer Musik

Das Trio „les trois en bloc" mit zwei ersten Preisen beim Penderecki-Wettbewerb in Polen

Beim kürzlich beendeten dritten Internationalen Krzysztof Penderecki-Wettbewerb für zeitgenössische Kammermusik in Krakau wurde das deutsche Blockflötenensemble „les trois en bloc" kürzlich in Krakau mit zwei ersten Preisen ausgezeichnet. Die jungen Musikerinnen erhielten einen ersten Preis in der Kategorie Trio sowie den Sonderpreis für die beste Interpretation einer polnischen Komposition. Barbara Engelmann, Susanne Riemann und Anja Wetzki berichten von ihren Erfahrungen im Wettbewerb. Das Gespräch führte Dorothee Göbel.

nmz: Sie haben sich 1995 zum Ensemble zusammengeschlossen und setzen sich vor allem mit zeitgenössischer Musik auseinander. Auf welches Repertoire konnten Sie zurückgreifen? Haben sich bei Ihrer Arbeit in den vergangenen Jahren Kontakte zu Komponisten ergeben?
les trois en bloc: Wir haben uns 1995 an der Leipziger Musikhochschule als damalige Studentinnen der Blockflötenklasse
Prof. Robert Ehrlich zum Ensemble zusammengefunden. Zu Beginn war die Spezialisierung des Repertoires eher zweitrangig. Von größerer Bedeutung war damals die Ausbildung einer Ensemblekultur und gemeinsamer Vorstellungen. Daraus entwickelte sich fast zwangsläufig eine Vorliebe für die Interpretation zeitgenössischer Musik. Auf der Suche nach Repertoire sahen wir zunächst die üblichen Verlagskataloge durch und stellten relativ schnell fest, dass das bis dato vorhandene qualitativ überzeugende Repertoire für ein zeitgenössisches Blockflötentrio nicht sehr umfangreich war. Daher beschlossen wir, selbst den Kontakt mit Komponisten aufzunehmen. Als Erstes ergab sich hochschulintern die Zusammenarbeit mit dem
Leipziger Komponisten Christian FP Kram, der 1997 für „les trois en bloc" das Stück „absolut? Absolut!" schrieb. Eines unserer Lieblingsstücke ist das 1999 komponierte Trio „Nausikaa" von Pèter Köszeghy. Dieses Stück ist in seiner komplexen Struktur, seiner differenzierten rhythmischen, dynamischen sowie klanglichen Gestaltung einmalig in der Blockflötenliteratur und könnte dieser Literatur den Weg in eine völlig neue Richtung zeigen.Außerdem versuchten wir von Anfang an, auch Kontakte zu den Komponisten bereits verlegter Werke aufzunehmen wie beispielsweise zu Daan Manneke, Stefan Thomas und Witold Szalonek.
nmz: Haben Sie das preisgekrönte polnische Werk „Haupt der Medusa I" von Witold Szalonek extra für den Wettbewerb einstudiert oder hatten Sie dieses Werk schon in Ihrem Repertoire?
les trois en bloc: Das „Haupt der Medusa I" haben wir 1998 zum ersten Mal in der Querflötenfassung in Anwesenheit des Komponisten bei einem Konzert erlebt und waren beeindruckt von der Intensität des Werkes. Daraufhin beschlossen wir, es in unser Repertoire aufzunehmen. Die Einstudierung war für das Ensemble sehr interessant,da sie auch in Zusammenarbeit mit Herrn Szalonek geschah. Als wir dann erfuhren, dass für den Penderecki-Wettbewerb eine polnische Komposition in der Repertoireliste einzureichen sei, traf sich das sehr gut.
nmz: Wie wurden Sie auf den Wettbewerb in Polen aufmerksam?
les trois en bloc: Die Ausschreibung des Wettbewerbs war in der Leipziger Musikhochschule ausgehängt. Da wir gezielt nach Wettbewerben für zeitgenössische Musik Ausschau hielten, forderten wir umgehend die Anmeldeunterlagen an. Wir reichten eine Demo-Kassette mit den dort zu spielenden Werken ein und wurden zum Wettbewerb eingeladen.
nmz: Aus der Liste der Teilnehmer geht hervor, dass vor allem Musiker aus Polen im Wettbewerb mitwirkten. Wie nahm man es auf, dass gerade Sie, drei Teilnehmerinnen aus Deutschland, mit dem Sonderpreis für die beste Interpretation eines polnischen Werks ausgezeichnet wurden?
les trois en bloc: Der Sonderpreis kam für uns sehr überraschend.Da während des Wettbewerbs ein sehr freundschaftliches Klima unter den Teilnehmern herrschte, fielen die Gratulationen von allen Seiten äußerst herzlich aus.Trotz der naturgemäß starken polnischen Präsenz reisten auch Interpreten aus den verschiedensten Ländern an, beispielsweise Spanien, Japan, Frankreich, USA und Kanada. Auch die Jury war international besetzt mit dem Ehrenvorsitzenden Krzysztof Penderecki,
Marek Stachowski (beide Polen), Geffrey Douglas Madge(Australien), Ivan Monighetti (Schweiz), Mary Stolper (USA) und
Marta Ptaszynska (Polen).
nmz: Laut Ausschreibung des Wettbewerbs erhalten Preisträger Konzertverpflichtungen und CD-Aufnahmen. Welche Resonanz versprechen Sie sich davon für Ihr eigenes Ensemble?
les trois en bloc: Da der Wettbewerb jährlich stattfindet (das nächste Mal im September 2000), sind Anschlusskonzerte fest eingeplant. Das Abschlusskonzert des Wettbewerbs wurde vom polnischen Rundfunk mitgeschnitten und wird als CD erscheinen. Wir hoffen, dadurch auf internationaler Basis Komponisten und Konzertveranstalter auf uns aufmerksam machen zu können und unser Betätigungsfeld zu erweitern.
nmz: Danke für das Gespräch.

NMZ1999  48. Jahrgang Ausgabe 11- November



„... Neben der Flötistin Carin Levine, die unter dem Motto „flutes and electronics“ konzertierte und höchsten Ansprüchen genügte, konnte das Blockflötentrio „les trois en bloc“ allseits erfreuen. Drei junge, sympathische Frauen, die ihre Sache denkbar natürlich, genau, besessen, reflektiert nehmen. Helmut Zapfs „Im Rausch(en) der Sinne“, ein mit allerlei vergnüglichen Erotika sinnbildlich hantierendes furioses Stück, das sich wie ein Krimi anhört, stach in dem Programm aus fünf Stücken heraus.“

Stefan Amzoll, in: MDZ/ 17.07.2001